Energetische Sanierung: Fakten statt Mythen

Eine energetische Sanierung sei unwirtschaftlich, die Dämmung führe zu Schimmel und Spechte picken Löcher in die Fassade: Diese und weitere Meldungen zu den vermeintlichen Nachteilen einer energetischen Sanierung tauchen immer wieder auf. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) zeigt Fakten auf, um mit den häufigsten Vorurteilen zur energetischen Gebäudesanierung aufzuräumen.

„Energetisches Sanieren lohnt sich nicht“.
Natürlich ist eine energetische Sanierung mit Kosten verbunden. Zu Unrecht werden jedoch energetische Sanierungsmaßnahmen generell als unwirtschaftlich eingestuft. Wichtig ist: Was sich für welches Gebäude lohnt, was technisch sinnvoll ist und den Vorstellungen der Eigentümer entspricht, muss für jedes Gebäude individuell entschieden werden.

Fazit: Energetische Sanierungen sind bei fachmännischer Beratung und Umsetzung oft wirtschaftlich. Gleichzeitig sorgen sie für ein gemütliches und zukunftsorientiertes Zuhause.

„Alles muss gedämmt werden“.
Energetische Sanierung ist viel mehr als nur Fassadendämmung, wenngleich dies häufig eine wichtige und sinnvolle energetische Sanierungsmaßnahme ist. Wichtig ist, das Haus als Gesamtsystem zu betrachten, denn der Energiebedarf kann durch zahlreiche Maßnahmen gesenkt werden.

Fazit: Das Haus als Gesamtsystem betrachten: Von der Einzelmaßnahme bis hin zur Komplettsanierung gibt es zahlreiche Lösungen, die sich rechnen.

„Der Energieausweis ist überflüssig und bürokratisch“.
Der Energieausweis wird an vielen Stellen kritisiert. Seine Bedeutung wird jedoch unterschätzt: Der Energieausweis macht den Energieverbrauch oder -bedarf transparent und verschiedene Immobilien vergleichbar. Er ist die einzige Möglichkeit für Kauf- und Mietinteressenten, sich über den energetischen Zustand des Gebäudes zu informieren. Zudem erhalten Hauseigentümer Modernisierungsvorschläge, um zukünftig Energie zu sparen.

Fazit: Der Energieausweis informiert über die energetische Qualität des Hauses und sorgt damit für Transparenz und Vergleichbarkeit. Eine Vor-Ort-Begehung durch einen qualifizierten Energieberater ist besonders wichtig.

„Besonders auf gedämmten Wänden gedeihen Algen“
Grüne Beläge auf der Fassade entstehen, wenn der raue Außenputz der Fassade kälter als die Luft ist und sich über längere Zeiträume Feuchtigkeit niederschlägt. Genau derselbe Umstand kann auch bei Balkonen und bei unbeheizten Gebäuden wie zum Beispiel Garagen auftreten. Es handelt sich deswegen keineswegs um ein neues Phänomen. Wer das Risiko von Algenbewuchs minimieren möchte, sollte folgendes beachten: Überstände am Dach und den Fensterbänken sollten nach Anbringung der Dämmung auch weiterhin über die Fassade hinausreichen, um diese besser vor Regen zu schützen. Eine dickere Putzschicht speichert mehr Wärme, sodass sich in kalten Nächten seltener Kondenswasser an der Außenwand bildet. Zusätzlich können Kalkputze den Algenbefall deutlich verringern.

Fazit: Algen auf der Fassade sind kein typisches Phänomen für gedämmte Häuser. Im Rahmen einer energetischen Sanierung gibt es zudem verschiedene Möglichkeiten, die Wahrscheinlichkeit von Algenbewuchs zu minimieren.

„Gedämmte Häuser können nicht atmen“
Gerne gesagt, oft wiederholt und dennoch falsch: Wände atmen nie – weder mit noch ohne Dämmung. Wände sorgen auch nicht für einen Luftaustausch im Gebäude, denn das erfolgt in unsanierten Häusern in der Regel durch undichte Fenster und Türen und hat hohe Wärmeverluste über die Luft und unnötige Kosten zur Folge. Mit einem sorgfältigen Einbau von Fenstern und gut abgedichteten Bauteilen sorgt man daher für weniger Heizaufwand. Energetisches Sanieren hingegen hilft, den sogenannten Transmissionswärmeverlust – also den Wärmeverlust durch Bauteile – zu reduzieren. Zusätzlich sinkt dadurch das Schimmelrisiko, da die Wände von innen warm bleiben und sich Feuchtigkeit nicht so schnell daran niederschlagen kann.

Fazit: Weniger Energieverbrauch und weniger Schimmel dank energetischer Modernisierung.

„Sanierungsmaßnahmen fördern Schimmelbildung“.

Auch wenn sich das Gerücht „Dämmung führt zu Schimmelbildung“ hartnäckig hält: Das Gegenteil ist der Fall. Richtig ausgeführt sinkt das Schimmelrisiko durch die energetische Sanierung sogar. Schimmel kann entstehen, wenn sich der in der warmen Raumluft enthaltene Wasserdampf an den zu kalten Außenwänden niederschlägt. Sind die Außenwände gut gedämmt, bleiben die Wandflächen aber warm und die Feuchtigkeit schlägt sich weniger an den Wänden nieder. Probleme bei gedämmten Gebäuden mit hocheffizienten Fenstern treten in der Regel nur durchgrobe Planungsfehler, Bauschäden oder falsches Nutzerverhalten auf. Richtiges Lüften muss sein – im sanierten oder neu gebauten Effizienzhaus genauso wie im unsanierten Altbau. In Effizienzhäusern kann eine Lüftungsanlage sogar unabhängig vom Verhalten der Bewohner für Frischluft sorgen. Die dena hat in einer Umfrage umfassende Daten zur Zufriedenheit und Wohnqualität der Eigentümer, Mieter und Vermieter energetisch modernisierter Gebäude ermittelt. Dabei kam auch Schimmel zur Sprache: Hatten 39 Prozent der Befragten vor der Sanierung damit zu kämpfen, waren es danach nur noch 7 Prozent. Ähnlich positiv ist das Verhältnis bei Mietwohnungen: Dort sank der Anteil durch die Sanierung von 18 auf nur noch 2 Prozent mit hartnäckigen Schimmelproblemen.

Fazit: Richtig ausgeführt senkt die energetische Sanierung das Schimmelrisiko. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte eine Lüftungsanlage einbauen lassen, die unabhängig von der Lüftung per Fenster für frische Luft im Haus sorgt.

„Gute Architektur ist mit energetischer Sanierung unmöglich“

Schöne Fachwerk-und Stuckfassaden werden auch weiterhin charakteristisch für unsere Städte sein. Eine Vielzahl denkmalgeschützter Gebäude, die auch ohne Dämmung der Fassade zu Effizienzhäusern modernisiert wurden, sind das beste Beispiel dafür. Denn es gibt zahlreiche Alternativen wie den Austausch der Heizung, den Einsatz erneuerbarer Energien oder auch die Dämmung der Keller- und obersten Geschossdecke.

Fazit: Energetische Sanierung und gelungene Architektur – auch im Denkmalschutz – sind kein Widerspruch. Für jedes Haus gibt es individuelle Lösungen.

„Steigende Mieten durch energetisches Sanieren“.
Aufgrund einer energetischen Sanierung fürchten viele Mieter, dass sie auf deutlich höhere Kosten stoßen. Richtig ist, dass bestimmte Kosten der energetischen Sanierung umgelegt werden dürfen. Aber: Man muss klar unterscheiden zwischen den umlegbaren energieeffizienzbedingten Mehrkosten und den nicht umlegbaren Kosten, die der Instandhaltung zuzuordnen sind. Zusätzlich dürfen die Kosten für die Badsanierung oder neue Balkone auf die Miete umgelegt werden, obwohl sie nicht dazu beitragen, dass weniger Energie verbraucht wird. In vielen Fällen werden alle Sanierungskosten fälschlicherweise der energetischen Sanierung zugeschrieben. Wichtig ist: Wenn das Haus sowieso saniert wird, ist es sinnvoll, die Maßnahmen möglichst energieeffizient umzusetzen. Dann können Mieter sich über dauerhaft niedrigere Energiekosten freuen.

Fazit: Wenn sowieso saniert wird, dann möglichst energieeffizient. Dann zahlen Sie als Mieter weniger Heizkosten und können so die gestiegene Miete ausgleichen.

„Lüftungsanlagen sind unnütz, laut und unhygienisch“
In einem 3-Personen-Haushalt verdunsten etwa sechs bis acht Liter Wasser am Tag. Das ist vollkommen unproblematisch, wenn die Feuchtigkeit richtig rausgelüftet wird. Genau dafür sorgt in Effizienzhäusern eine Lüftungsanlage. Zudem holt sie automatisch die richtige Menge Frischluft in die Zimmer. Beim Lüften mit offenen Fenstern und Türen geht Wärme verloren. Das verhindert eine Lüftungsanlage, da bei kühleren Außentemperaturen die Wärme der Abluft zurückgewonnen und genutzt wird – das spart Energie. Störende Geräusche sind kein generelles Problem von Lüftungsanlagen, sondern auf Planungs- oder Ausführungsfehler zurückzuführen.

Fazit: Werden Lüftungsanlagen fachgerecht eingebaut und regelmäßig gereinigt und gewartet, sparen Sie Energie und schaffen in Ihren Räumen ein angenehmes Klima.

„Dank erneuerbarer Energien ist Dämmen überflüssig“.
Erneuerbare Energien sind schon heute eine wichtige Wärmequelle, mit der wir unsere Häuser klimaschonender beheizen können. Dennoch sind Holz, Strom für Wärmepumpen oder Biogas weder unbegrenzt noch kostenlos verfügbar. Und auch Solarenergie kann bei ungedämmten Gebäuden nur einen kleinen Teil der Wärme erzeugen. Erneuerbare Energien müssen daher effizient eingesetzt werden. Klar ist, dass allein erneuerbare Energien den Altbau nicht zum Effizienzhaus machen. Wenn Sie Ihren Energieverbrauch und damit Ihre Kosten nachhaltig reduzieren möchten, sollten Sie Ihr ganzes Haus im Blick haben: Wichtig ist, auf den richtigen Mix aus gedämmter Gebäudehülle, effizienter Anlagentechnik und der Einbindung von erneuerbaren Energien zu setzen. Und auch einzelne Sanierungsmaßnahmen wie eine effiziente Kombination aus Brennwertkessel und Solaranlage können ein erster Schritt in Richtung Effizienzhaus und damit ein wichtiger Beitrag für eine erfolgreiche Energiewende sein.

Fazit: Allein mit erneuerbaren Energien ist noch kein Effizienzhaus erreicht. Vielmehr sind dafür eine gute Gebäudehülle und effiziente Anlagentechnik notwendig.

Die Broschüre zum Downloaden auf der Internetseite der dena. 

Quelle: dena



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